Unterwegs

Bilder für Freunde und Sammler der Schwarz-Weiss Fotografie

1995 gestaltete der Fotograf die Ausstellung „Unterwegs“. Der Titel ist zugleich Programm. Durch neu hinzukommende Motive wandelt sich die Exposition kontinuierlich, der Autor setzt sich mit seinen Arbeiten auch heute noch kritisch auseinander.

Über 30 Jahre fertigte der Fotograf seine Schwarz-Weiss-Arbeiten im eigenen Fotolabor an. Fotografien von Harald Wenzel-Orf befinden sich in zahlreichen Sammlungen.

Ausstellungsorte:

  • 1995 Berlin, Galerie der Eternit AG
  • 1996 Feldberg/Meckl., Städtische Galerie
  • 1997 Weimar, Galerie Markt 21
  • 1998 Jena, Stadtkirche
  • 1998 Neumünster, Kulturzentrum Papierfabrik

 

Stilles Leben – Der Fotograf Harald Wenzel-Orf
von Prof. Dr. Kai Uwe Schierz – Kunstwissenschaftler

Harald Wenzel-Orf ist ein “Lichtbildner”, der sich den fließenden Erscheinungen der sichtbaren Welt nicht bedingungslos aussetzt. Im Kontinum der Zeit ist er auf der Suche nach Bildern des Innehaltens, der Stille, der kontemplativen Schau. Ob im psychologisch einfühlsamen Portrait eines budhistischen Mönches, in den sensiblen Graustufungen einer Hofdurchfahrt, ob in Bildern vergehender menschlicher Baukunst, die kaum merklich wieder in den Naturzustand zurücksinkt, oder in den weiten Landschaftsausblicken, vor denen Felsformationen wie riesige Hüterfiguren aufragen, stets sieht Harald Wenzel-Orf seine Motive als Stilleben – in seinem Wortsinn als Lebensbild, das einen Moment zu verharren scheint, um sich selbst zu sammeln und auch unsere Aufmerksamkeit zu bündeln.

Es finden sich Arbeiten in abstrakter Hell- Dunkel-Technik ebenso wie farbige Motive, in denen er die Farbtöne fast monochrom und nur verhalten akzentuiert als Gestaltungsmittel zu nutzen versteht – dabei geht es ihm stets um mehr als den sinnlich beeindruckenden Wiederschein der Welt in den chemischen Schichten des Fotopapiers. Der in den Dingen sich zeigen- den Bedeutung, ihrer “Seele” oder je einmaligen Physiognomie ist er auf der Spur. In der stillebenhaften Beruhigung und zugleich Verdichtung des fotografischen Motivs gelingt es ihm oft, diese Werte sichtbar werden zu lassen, ihnen eine Sprache zu verleihen, die letztlich – und entgegen dem postmodernen Befund vom Verschwinden einer wahrnehmbaren Weltgestalt im Rausch der hohen Geschwindigkeiten – von der noch möglichen Anwesenheit des Menschen in den Dingen spricht.

Weimar 1997